














Willkommen auf www.saudade-fotos.de / www.marco-bertram.de!
Unterwegs auf dem El Camino de Santiago - ein Reisetagebuch - Teil 2
Zu der Fotogalerie über den Jakobsweg
11. März 2003: O Cebreiro - Triacastela. 20 Kilometer.
Eines muss voran noch erzählt werden. Schockiert war ich von den
hässlichen Schildern, die uns in Galizien entlang des Caminos begleiteten. Im heiligen Jahr 1993 wurde ein
Maskottchen ins Leben gerufen, das meiner Meinung nach völlig unpassend und unästhetisch ist. Eine bunte,
abstrakte, unförmige Figur auf einem Fahrrad mit Beutel über der Schulter. Für einen solchen Weg mit dermaßen
alter Tradition sind diese Wegweiser völlig unakzeptabel!
Auch bei den Pilgerherbergen ist in Galizien einiges anders als in der Region Castilla-León. Statt der 3 oder 4 Euro
braucht in Galizien überhaupt nichts bezahlt werden. Wer möchte, kann eine Spende in einen Metallkasten werfen. Anwesend sind
die Hospitaleiros zu dieser Jahreszeit meist eh nicht. Den Stempel konnte man sich manchmal selbst in den Pilgerausweis drücken.
Betrieben werden diese Herbergen meist von der
Xunta de Galicia, der Autonomen Regionalregierung. Im Gegensatz zu
Kastillien wird das Wort "Junta" hier "Xunta" geschrieben.
|
|
|
Die Etappe nach Triacastela war recht unspektakulär. Spannend allein war der steile Anstieg zum Alto de Poio, auf dem
es ein Gasthaus gab, in dem wir reichlich café con leche aus großen Tassen tranken und ebenso riesige Bocadillos mit Käse aßen, an
denen wir lange zu beißen hatten. Die Wirtin fragte auch sogleich mehrmals nach, ob es denn auch schmecke.
Die kleine Stadt Triacastela ist auch nicht sehr hübsch, doch gab es dort eine überaus gut gelegene Herberge mit angebauter
Glasveranda, von der man auf einen Bach und ein kleines, sattgrünes Tal schauen konnte. Wir verbrachten den gesamten Abend
in den Korbstühlen der Veranda bei Käse, Oliven, Baguette und Getränken und plauderten bis tief in die Nacht. Wir waren die einzigen
Pilger in dieser Herberge, und auch der Hospitaleiro ließ sich nur einmal kurz am Abend sehen. Das leere Gebäude, die dunklen Gänge, die vielen
Fenster, die einsame Lage und der hell scheinende Mond würzten diese Nacht mit etwas Gruseligkeit. Träumte ich auf der Pilgertour eh schon
sehr viel, so waren die Träume in dieser Nacht besonders intensiv.
12. März 2003: Auf dem Weg nach Sarria wählten wir nicht die alte Route über das Kloster
Samos, sondern die neue Variante, die landschaftlich schöner ist und nicht wie die alte nur an einer Straße entlang führt.
Dieser Weg führte vorbei an San Xil und Montán.
Was soll ich sagen, auch Sarria war nicht sehr hübsch. Der Camino als solches war ein tolles Erlebnis mit wunderschönen Landschaften, doch
die Städte entlang des Weges gefielen mir nicht besonders. Nett anzusehen waren dagegen die kleinen Ortschaften und Dörfer entlang des
Weges.
In Sarria gab es unglaublich viele Super Mercados und sogar ein Internet Café, in dem man für 1 Euro ganze 45 Minuten surfen konnte. Die bekommenen e-mails
waren nicht so erquickend, und so nahm ich mir vor, erst wieder in Santiago oder Madrid ins Internet zu gehen. Es war angenehm, mal ganz ohne Computer leben zu
können. Ich vermisste das Fernsehen und das Internet nicht. Nur ab und zu warfen wir einen Blick in die Zeitung oder schauten in einer Bar die
Nachrichten oder eine Sportsendung.
So geschehen auch am Abend in Sarria. In einer Bar bewunderten wir das beeindruckende Auftreten von
Real Madrid in der Championsleague gegen den AC Milan, der mit 3:1 nach Hause geschickt wurde.
|
|
|
13. März 2003: "Cinco minutos! No mas, no menos!!!" Fensterläden auf, und mir wurde am Fuß gezogen.
Die strenge Frau der Herberge in Sarria weckte uns unsanft kurz vor 8 und befahl uns, sofort aufzustehen, zu packen und zu gehen. Es war
die einzige Herberge auf dem Weg, wo so konsequent darauf geachtet wurde, dass man sich um 8 Uhr auf den Weg machte...
Der Schreck musste in einer nahen Bar erst einmal mit einem doppellten Milchkaffee verdaut werden. Selten
hatte ich meinen Rucksack so schnell gepackt, wie in der Herberge in Sarria.
Angel, der am Abend zuvor auch völlig müde und knülle eintraf, machte sich auch lachend auf den Weg. Die schwarze Tragetasche auf dem
Rücken.
Auf ins 22 Kilometer entfernte Portomarin, in dem einige wichtige Bauwerke versetzt werden mussten, da ein angelegter Stausee einige Teile der Altstadt
überflutete. Kurz vor der Ortschaft Barbadelo erreichten wir den Kilometerstein 100, an dem wir eine Pause einlegten, eines guten Freundes
gedachten, Weihrauch anzündeten und einige Erinnerungsfotos machten. Auf dem Stein lagen viele Steine, und sogar eine halbvolle Weinflasche
ruhte auf ihm. Viele Unterschriften und Sprüche zierten die rauhe Oberfläche des Granits. 100 Kilometer galt es noch bis zur Kathedrale von Compostela zurückzulegen.
Später, ganz in der Nähe von Ferreiros trafen wir auf eine Gruppe arbeitender Männer und Frauen, die uns zuwinkten und uns zu einem Schluck Landwein und
ein paar Keksen einluden. Sie waren gerade dabei, mit Steinen und Sand eine ordentliche Wegbegrenzung anzulegen. Sie hielten bei der Arbeit inne, betrachteten
uns neugierig und unterhielten sich angeheitert.
Entlang des Weges konnte man viele für Galizien typische Kornspeicher sehen, in denen meist Maiskolben lagerten. Weiterhin traf man oft auf alte Schieferplatten, die
senkrecht im Boden steckten und als Feldbegrenzungen dienten. Diese Art der Landbegrenzung geht auf die Tradition der Kelten zurück.
In der Herberge in Portomarin kochten wir in der Küche Nudeln mit Tomatensoße, um mal nicht ein Menu del Dia essen zu müssen. Dazu gab
es Obst und Landwein. Später am Abend wurden wir von Angel noch zu einem für Galizien typischen Schnaps in einer der Bars eingeladen.
14. März 2003: Ein wenig verkatert nahmen wir die 24 Kilometer lange Etappe nach Palas de Rei in Angriff...
15. März 2003: Palas de Rei - Arzua
16. März 2003: Arzua - Arca
17. März 2003: Arca - Santiago de Compostela
18. März 2003: Santiago de Compostela (Pilgermesse 12 Uhr)
NOCH IN ARBEIT... FOTOS EBENFALLS NOCH IN ARBEIT!!!
Zum ersten Teil des Reisetagebuchs: hier entlang!
|
|
Zur Person: Marco Bertram
Freiberuflicher Autor und Foto-Journalist
Zahlreiche Reisen nach Russland, Brasilien, Kanada, Ägypten und quer durch Europa.
Verfasser einer Vielzahl an Berichten, Reisereportagen und Kurzgeschichten.
Autor der beiden Bücher "In 7 Wochen von Rio nach Manaus" und "13 Reise-Fragmente".
Segelprojekt Berlin-Sydney 2000
Im April 2005 wurde eine Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze realisiert. Vorabpräsentation beim Europäischen
Parlament in Brüssel.
Diavorträge zur Transsib & zur deutsch-deutschen Grenze
größere Vorträge bisher: im Hyatt Hotel Köln für Gebeco, im Maritim Hotel Travemünde für die
Raiffeisenbank, in Lübeck, in Hartha, im Tränenpalast Berlin
Iron Curtain Trail: Unterwegs auf dem Balkan
Infos zu Marco Bertram

Schiffbruch bei heftigem Sturm auf der Nordsee im November 1999 - auf der Fahrt nach Sydney
gerieten zwei Segelboote vor Holland in schwere Seenot,
eine Busentführung im Norden Brasiliens, eine Festnahme an der slowakischen Grenze,
ohne Gepäck von Kairo nach Theben West.
mit der Transsib quer durch Asien, Leben in einem Zen-Kloster in New Orleans und eine mit Krankheit
verbundene Reise in Indien.
Dies sind die spannenden Höhepunkte im Reisebuch "13 Reise-Fragmente" von Marco Bertram
und Mark Bauch.
Details zum Reisebuch.
Eine Bestellmöglichkeit gibt es bei:
www.amazon.de
|