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Quer durch Kroatien: Von Krizevci über Zagreb nach Pag
Nach den Zugfahrten quer durch Westeuropa, quer durch Russland, die Mongolei und China und
einer Fahrt durch Ägypten folgte nun die nächste größere Bahnreise:
Mit der Fotokamera im Gepäck mit dem Zug auf den Balkan.
Hier geht es zunächst zur:
Bildergalerie aus Kroatien!
Nur 3 Monate nach der letzten Reise mit der Transsibirischen
Eisenbahn von Vladivostok nach Irkutsk, ging es am 5. September 2001 dieses Mal mit der Bahn
von Berlin aus in Richtung Balkan.
Mit einem Nachtzug fuhr ich mit Mirjana, die
ursprünglich aus der Stadt Krizevci, nordöstlich von Zagreb gelegen, kommt,
bequem und ruhig nach München, wo bereits am kommenden Morgen der Anschlusszug
nach Belgrad wartete.
Vielmehr war es der EC ins österreichische Klagenfurt, denn nur die letzten
drei Waggons, die in Villach abgekoppelt und an einen anderen Zug angehängt
wurden, hatten die serbische Hauptstadt als Ziel.
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Ein Hauch von Osteuropa, mir bestens bekannt aus Polen, der CSR, Ungarn und
Russland, kam an der slowenischen Grenzstadt Jesenice auf, als das "dobar
dan" der Grenzbeamten in den Waggons ertönte.
Die Einreise ist für deutsche Staatsbürger
mit dem Personalausweis möglich
und verlief recht lässig und leger. Auch der Carina, der Zoll, warf nur kurze
Blicke in die einzelnen Abteile.
Das Bild aus dem Zugfenster heraus änderte sich in Slowenien ein wenig. Die
grauen Neubaublocks in den Tälern und
Ortschaften waren zuvor in Österreich
weiß Gott nicht zu sehen. Dafür wurden im Gegensatz in Slowenien die Beete und
Felder intensiver genutzt und gepflegt. Geradezu liebevoll reihten sich
kleine Maisfelder und Gemüsebeete zwischen Baumreihen und Wiesen ein.
Im Grenzbahnhof Jesenice wurde die Lok gewechselt, und auf dem Nachbargleis
stand eine Dampflokomotive mit alten Wagons, die genietete Außenverkleidungen
und Holzbänke besaßen.
Erste düstere, eigenartige Gestalten liefen durch den
Gang. Ein alter Mann
mit grauem Jacket und Sonnenbrille suchte nach etwas bestimmten. Ein jüngerer
Mann mit prallen Taschen und Tüten hastete von Abteil zu Abteil und murmelte
vor sich hin.
Die Einfahrt in die slowenische Hauptstadt Ljubljana war unscheinbar. Im
Hintergrund die Berge, an den die Wolken hängen blieben. Nach einem Zentrum sah
es wirklich nicht in der Bahnhofsgegend
aus. Außer dem Trubel auf dem
Bahnsteig direkt an unseren Waggons war es ruhig wie auf einem Provinzbahnhof. Eine
amerikanische Reisegruppe enterte mit reichlich Gepäck den Zug. Kleine
Schildchen an ihrer Kleidung verrieten, dass es christliche Ordensschwestern und
Brüder waren: "Sestra Moos" etc...
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Hinter Ljubljana verlief die Eisenbahnstrecke eingleisig. Ein Fluss, der uns
viele Kilometer parallel folgte, immer wieder Maisfelder, zerklüftete Berge
und noch saftig grüne Wiesen.
Die bunt zusammengewürfelten Wagons unseres Zuges ergaben in den engen
Kurven ein hübsches Bild, das mich immer wieder an andere Bahnfahrten erinnern
ließ. Zu schade, dass in dem österreichischem EC-Waggon die Fenster nicht zu
öffnen waren.
Gern hätte ich Aufnahmen wie aus der Transsib heraus gemacht.
Nach der kleinen Stadt Litija näherte sich die kroatische Grenze. Die
Atmosphäre wirkte friedvoll. Eine alte Frau zupfte Unkraut auf einem Feld.
Die kroatischen Grenzbeamten ließen es noch ruhiger angehen als ihre
slowenischen Kollegen. Sie schauten erst gar
nicht in die Pässe, worauf hin die
Amerikaner den Beamten baten, doch einen Stempelabdruck zur Erinnerung zu geben.
Mit einem flüchtigen Lächeln drückte er die gewünschten Einreisestempel auf
die aufgeschlagenen Seiten...
Tagebucheintrag vom 7. September 2001:
Jetzt finde ich das erste Mal Zeit und Ruhe, um etwas zu Schreiben, etwas
aufs Papier zu bringen.
Mirjana ist mit ihrer Schwester Suzana in der Innenstadt von Krizevci
unterwegs.
Bei Milchkaffee und Weißwein, gemischt mit Mineralwasser, sitze ich im
Garten bei Sonne in einer geschützten Nische am Tisch. Vor mir ein Block Papier,
ein kroatisches Wörterbuch und die Fotokamera, falls die Katze des Hauses
wieder eigenartiges anstellt.
Der Weißwein im Wasserglas bis zum Rand gefüllt, schönste Sonnenschein,
innere Ruhe, das Summen der Insekten und Zeit, viel Zeit...
Ich fühle mich an Irland erinnert, als ich viele Tage an vor den Pubs
aufgebauten Tischen saß und bei herrlichem Wetter Teile des Brasilienbuches
verfasste.
Die innere Ruhe finde ich zumeist auf Reisen. Es ist ein wohliges Gefühl.
Man befreit sich von störenden Faktoren,
richtet sich am Tisch ein und schlägt
das Notizbuch auf.
Dreimal fragte mich die Gastgeberin, ob ich nicht in die Stadt mitkommen
möchte. Ob ich mich nicht allein fühlen würde auf dem Grundstück. Nein, dies nun
wirklich nicht. Doch sie konnte es nicht verstehen, nur Mirjana, die mich
gut genug kennt, konnte nachvollziehen, wie glücklich ich über ein paar Stunden
bin, an denen ich allein mich dem Schreiben widmen kann...
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Nach Ankunft in Zagreb ging es in einem miefigen Kleinwagen direkt durch den dichtesten Berufsverkehr
in Richtung Nordosten zur etwa 70 Kilometer entfernten
Kleinstadt Krizevci, wo rund 20000 Menschen
wohnen.
Das trübe, regnerische Wetter machte die grauen Randbezirke Zagrebs noch trauriger als sie eh schon waren.
Autowerkstätten, verrümpelte Industriegelände und triste Wohnblocks reihten sich an der mehrspurigen Schnellstraße.
Schlechte, verqualmte Luft, vermischt mit dem Duft
eines Vanilleduftbäumchen, und der rasante Fahrstils
des Fahrers, ließen Unwohlsein in meinem Bauch aufkommen. Zu fünft in einem winzigen, klapprigen Fiat,
das war ein harter Fall.
Je mehr wir Zagreb hinter uns ließen und uns dem ländlich gelegenen Krizevci näherten, wurde die
Landschaft schöner und hügeliger. Die Stadt
als solches war durchaus sehenswert, und die Umgebung
mit den Weinbergen und Feldern ausgedehnte Wanderungen wert.
In Krizevci wohnten wir bei einer Familie in einem Haus auf einen Grundstück gemeinsam mit Katzen und Kaninchen,
und so war es mir möglich, einen Einblick in den kroatischen Alltag zu bekommen. Auf dem Programm standen
ein paar Rundgänge durch die Stadt, unter anderem zu einem Markt, der sich in einem alten Hinterhof befand, und
und einige Spaziergänge zu den nahen Weinfeldern und in die umliegenden Wälder, in denen ab und an
Feuersalamander ausfindigzumachen waren.
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Von Krizevci aus fuhren Mirjana und ich mit einem Linienbus zuerst nach Zagreb und von dort aus über Zadar
zur Insel Pag, wo ihr Onkel einen Souvenierstand betrieb. Der Bus von Krizevci nach Zagreb war ein uraltes,
jugoslawisches Modell, und ich befürchtete, mit solch einem stinkenden Etwas bis nach Pag fahren
zu müssen. Im Großraum von Zagreb gab es einige Staus zu bewältigen, doch hinter Zagreb ging es mit einem
moderneren Bus flott die Autobahn in Richtung Karlovac entlang.
Später folgten abwechselnd Fern- und Landstraßen,
die zunehmend einsamer wurden. Die Landschaft
wurde bergiger, und es erfolgte ein Vegetationswechsel. Schon bald führte die Straße nahe an der Grenze
zu Bosnien-Herzegowina entlang. Bosnien lag auf der anderen Seite hinter den mit Wolken und Nebel
verhangenden Bergen. Still und verlassen lagen ehemalige Fabrikgelände im Tal. Zerschossene und
abgebrannte Häuser waren auszumachen. Meist
gehörten sie der serbischen Minderheit, die nach dem
Krieg Kroatien verlassen mussten. Als Racheakt wurden diese Häuser anschließend zerstört.
Fast niemand wohnte mehr in dieser Region, und auch
auf den Straßen ließ sich kaum ein Auto oder LKW
sehen. Erst kurz vor Zadar nahm das Leben wieder zu. Auch in dieser Stadt konnte man an vielen Hauswänden
noch Spuren des Kriges von 1991 bis 1995 erkennen. Serbische Einheiten beschossen die Stadt mit MGs
und Flakgeschützen von den Bergen aus.
Über eine Brücke fuhr der Bus später auf die lang gezogene Insel Pag, die eine von vielen hunderten kroatischen
Inseln in der Adria ist. Auf dem weg dorthin passierten wir eine Serpentinenstraße, die die Bergkette überquerte. Am
Straßenrand harrte ein ausgebrannter, verkohlter Bus, und ich vermutete einen serbischen Terroranschlag, doch später stellte
sich heraus, dass es ein normaler Motorbrand war, und niemand verletzt wurde.
Für 30 DM die Nacht bekamen wir im alten Stadtkern des gleichnamigen Städtchens Pag ein Doppelzimmer, und bei
Mirjanas Onkel gab es reichlich Wurst und geröstete Kartoffelstreifen. Von Mai bis September arbeitete
Bozo mit seiner Frau auf Pag und betrieb einen Stand an der
kleinen Uferpromenade.
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Die restliche
Zeit wohnten sie in Krizevci und kümmerten sich um Haus und Weinfelder.
Wie Bozo uns mitteilte, war einst sogar ein US-amerikanisches Militärflug in den Bergen von Pag zerschellt, doch
über die Ursache konnte nur spekuliert werden, in den Medien gab es die verschiedensten Versionen zu lesen.
Beeindruckten mich die Anfahrt durch das ehemalige Kriegsgebiet und Bozos weitere Schilderungen, so holte
uns der Alltag zwei Tage darauf endgültig wieder ein. Gerade kehrten Mirjana und ich von einer
Wanderung in den Bergen zurück und aßen in
einem Lokal eine Pizza, als der Kellner zu uns kam,
und uns mitteilte, das in New York etwas schreckliches passiert sei. Palästinenser hätten Flugzeuge
gekapert und sie ins WTC stürzen lassen. So lautete die erste Annahme.
Wir waren schockiert, und ich irrte den ganzen Abend von einer Kneipe in die nächste, um möglichst
viele Fernsehdarstellungen zu sehen. Ansonsten war es auf Pag eher ruhig, und man hätte meinen können, alles
sei nur Einbildung. Erst der Anruf ins heimische Berlin ließ mich die wahren Ausmaße des
Terroranschlages realisieren. Ich fühlte mich auf der Insel Pag abgeschnitten von der Welt, und ich überlegte, ob es
nicht besser wäre, sofort nach Berlin zurückzukehren.
Wir blieben allerdings doch noch eine weitere Woche in Kroatien, und um die schreckliche Angelegenheit in den USA
wenigstens etwas verarbeiten zu können, verfasste ich in einem Internetcafé in Zagreb ein Statement
und setzte es auf meine Website...
Eine Vielzahl an Reiseberichten gibt es im aktuellen Buch "13 Reise-Fragmente" von Mark Bauch
und Marco Bertram zu lesen! Unter anderem Berichte über Russland, die Transsibirische Eisenbahn,
die Slowakei und Budapest.
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Unter anderem ist das Buch bei www.amazon.de erhältlich.
Die letzten Forenbeiträge des Reise-Forums:
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Zur Person: Marco Bertram
Freiberuflicher Autor und Foto-Journalist
Zahlreiche Reisen nach Russland, Brasilien, Kanada, Ägypten und quer durch Europa.
Verfasser einer Vielzahl an Berichten, Reisereportagen und Kurzgeschichten.
Autor der beiden Bücher "In 7 Wochen von Rio nach Manaus" und "13 Reise-Fragmente".
Segelprojekt Berlin-Sydney 2000
Im April 2005 wurde eine Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze realisiert. Vorabpräsentation beim Europäischen
Parlament in Brüssel.
Diavorträge zur Transsib & zur deutsch-deutschen Grenze
größere Vorträge bisher: im Hyatt Hotel Köln für Gebeco, im Maritim Hotel Travemünde für die
Raiffeisenbank, in Lübeck, in Hartha, im Tränenpalast Berlin
Iron Curtain Trail: Unterwegs auf dem Balkan
Infos zu Marco Bertram

Schiffbruch bei heftigem Sturm auf der Nordsee im November 1999 - auf der Fahrt nach Sydney
gerieten zwei Segelboote vor Holland in schwere Seenot,
eine Busentführung im Norden Brasiliens, eine Festnahme an der slowakischen Grenze,
ohne Gepäck von Kairo nach Theben West.
mit der Transsib quer durch Asien, Leben in einem Zen-Kloster in New Orleans und eine mit Krankheit
verbundene Reise in Indien.
Dies sind die spannenden Höhepunkte im Reisebuch "13 Reise-Fragmente" von Marco Bertram
und Mark Bauch.
Details zum Reisebuch.
Eine Bestellmöglichkeit gibt es bei:
www.amazon.de
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