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Ein zusammenfassender Bericht über ein Segelprojekt, das nach drei Tagen Sturm auf der Nordsee im November 1999 vor Holland abgebrochen werden musste

von Marco Bertram (überarbeitet Februar 2008)

"Die See ist und bleibt ein Abenteuer! Auf dem Meer wird es sich zeigen, ob man seine Hausaufgaben gemacht hat. Die See ist und bleibt unberechenbar."
Zitat von Burghard Pieske / Februar 1999

"Nicht die südlichen Breiten des Polarmeeres mit seinen Türmen aus Wasser, nicht die kreischenden 60er, nein, nicht das tückische südchinesische Meer sind die gefährlichsten Reviere unserer Erde. Nein.
Das gefährlichste Segelrevier dieser Erde liegt vor unserer Haustür. Die Nordsee. Mit ihren heftigen Herbststürmen, unberechenbaren Untiefen, Tiden, verstreuten Bohrinseln und der stetig anwachsenden Berufsschiffahrt..."
Eine Seglerweisheit

Mit zwei selbstgebauten Segelbooten von Berlin aus zu den Olympischen Spielen ins australische Sydney fahren. Diesen Traum versuchten wir, vier junge Berliner, im Herbst 1999 zu verwirklichen.

Projektgruppe
Goldenes Buch der Reise

Seit dem Sommer 1995 arbeiteten wir auf dieses große Ziel hin. Mit einem Trailer brachten wir zwei acht Meter lange Bootsschalen von der Ostsee in das Dorf Elisenhof bei Berlin, bauten dort eine alte Scheune auf einem Bauernhof aus und konstruierten die hochseetauglichen Segelboote.
Im Herbst 1997 intensivierten sich die Arbeiten an den Booten. Die Decksform wurde gebaut, und anschließend wurden Deck, Kiel und Spanten mit Glasfasermaterialien und Polyesterharz laminiert. Anschließend erfolgten der Innenausbau mit Holz und der Einbau der Technik. Ab März 1998 berichteten die Medien, vor allen Dingen im Berlin-Brandenburger Raum, regelmäßig über unser Vorhaben. An die 150 Zeitungsberichte und 10 Fernsehbeiträge erschienen in den kommenden zwei Jahren. Höhepunkt war eine dreißigminütige Reportage des ORB, die im Oktober 1999 ausgestrahlt wurde.

Holzarbeiten
TV-Arbeiten

Dank vieler Sponsoren und ideeller Unterstützer konnten Arne und Jan Mill, Raimar Gohlke und ich die beiden Boote fertigstellen. Bekannte Ausrüster wie VauDe, Navtec, Voss-Chemie, Plastimo, Siemens, Canon, Topp Reff 2000 und Diekow Segel unterstützten unser Vorhaben. Unsere beiden Top-Sponsoren waren die Sparkasse Märkisch Oderland und Berliner Pilsner. Doch die Zeit war bereits weit vorangeschritten. Der hochseetaugliche Ausbau der Boote kostete mehr Stunden und Tage, als zuvor angenommen. Zudem gelangten manche Materiallieferungen nicht so schnell wie erhofft an unseren Ort des Bootsausbaus.
Um das Ziel Sydney 2000 trotzdem im Blickpunkt zu behalten, mussten wir Anfang Oktober unseren Törn in Richtung Australien in Stralsund starten. Nachdem First Cash und Time for Sydney mit zwei Trailern zur Marina Neuhof bei Stralsund gebracht wurden, trafen wir die letzten Reisevorbereitungen. Der Wind blies bereits kühl und kräftig...

Arne und Raimar
in Kiel

Von Stralsund aus ging es über Hiddensee nach Kiel, und von dort durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Cuxhaven. Anfang November warteten wir ein günstiges Wetterloch ab und segelten mit den beiden Booten nach Helgoland, von wo aus die nächste Etappe in Richtung England gestartet wurde. Die Fahrt über die Ostsee und durch den Nord-Ostsee-Kanal verlief im großen und ganzen zu unser vollsten Zufriedenheit, auch wenn in der Nacht Temperaturen um den Gefrierpunkt unsere Nasen fast abfrieren ließen. Auf der Nordsee kam es jedoch noch weitaus arger. Die Bedingungen waren von Anfang an herbstlich. Es erwarteten uns von Anfang an rauhe See und Windstärke Beaufort 6 bis 7. Die Fahrt in Richtung England wurde bereits nach wenigen Seemeilen ein richtiger Ritt. Der Bug unserer beiden acht Meter langen Boote donnerte in die Wellentäler, und die Gischt spritzte einem ins Gesicht. Wasser kam von vorn über und klatschte dem Rudergänger erbarmungslos ins Gesicht. Neptun zeigte kein Erbarmen. Auf offener Nordsee gerieten wir in einen schweren Sturm. Zwei Tage segelten wir unter härtesten Bedingungen, bevor wir an der holländischen Küste Schutz suchen wollten.
Der Wind kam uns mittlerweile direkt aus West entgegen, und wir drehten in Richtung Ijmuiden und Den Helder bei. Windstärken bis Beaufort 10 bis 11 und zum Teil sieben Meter hohe Wellen machten uns das Leben schwer. Bohrinseln in der Nacht, kreuzende Berufsschiffe und bedrohlich sich auftürmende Wellenberge ließen das Segeln zu einer Wanderung auf dem schmalen Grat werden.

noch alles ruhig ...
Wellen auf der Nordsee

Da eine Einfahrt an der Insel Vlieland bei solchen Bedingungen nicht möglich war, segelten wir in Richtung Den Helder parallel zur niederländischen Küste weiter. Das Glück war uns nicht hold. Der Sturm frischte erneut auf, und die Wellen wurden auf den vorgelagerten Sandbänken und Untiefen zu schweren Brechern. Auf der Höhe zwischen Vlieland und Texel erwischten am Abend des 6. Novembers 1999 schwere Brecher beide Boote und ließen diese durchkentern. Nur knapp entgingen wir einer schweren Tragödie. Obwohl ich beim Durchkentern über Bord ging und in der nächtlichen Nordsee trieb, konnte ich mich wieder ans Boot ziehen, wo mein Segelpartner Raimar mir mit viel Mühe ins Cockpit half.
Mast und Rigg waren abgeräumt. Es half nichts, wir sendeten Mayday und schossen rote Leuchtkugeln in den dunklen, bedohlichen Himmel. Trotz Treibanker legte sich unser Boot parallel zu den Wellen, und schon war es passiert. Krachend erwischte ein Brecher First Cash und ließ es erneut durchkentern. Ohne Mast war das Boot unstabil, der Gegenpunkt zum Kielschwerpunkt fehlte, und ohne Segel ließ es sich auch nicht steuern. Der Motor reichte bei solchem Wellengang nicht mehr aus. Zudem verfingen sich Taue in der Schraube.
Nach einer Stunde holten uns holländische Rettungskräfte der KNRM und der königlichen Marine mit Hubschrauber und Schnellbooten von den in der Dunkelheit treibenden Booten. Die Rettungsmänner mussten bei diesen Witterungsbedingungen gabze Arbeit leisten, um uns von den Booten holen zu können. An Land auf Vlieland fieberten die Einwohner der Rettungsaktion mit. Viele standen am Ufer und verfolgten aus der Ferne das Spiel der Scheinwerfer und roten Signalkugeln. Niemand von uns vier Seglern kam zum zu Schaden. Nur Schrammen und Prellungen waren an unseren klitschnassen Körpern auszumachen. Relativ unversehrt fanden wir uns auf niederländischem Boden wieder.

schwere Brecher
kurz vor dem Kentern

Raimar und ich von First Cash wurden mit dem Helikopter nach Den Helder in ein dortiges Hotel gebracht. Jan und Arne von der Time for Sydney fanden auf Vlieland Unterkunft bei der KNRM. Die beiden Yachten wurden vom Meer in der
Nacht schwer beschädigt an die Küste Vlielands angespült, wo sie von Einheimischen mit schwerem Gerät abgeborgen wurden. Wenig später erhielten die Hubschrauberbesatzung der Marine und die Männer der KNRM Auszeichnungen für die Rettungsaktion bei den besonders schweren Bedingungen im November auf der Nordsee. Selbst die größte holländische Tageszeitung die "De Telegraf" berichtete über das außergewöhnliche Vorkommnis in der Nacht vom 6. zum 7. November 1999.
Zu Hause in Berlin überschlugen sich die Zeitungsberichte über unseren Abbruch der Olympiatour nach Australien. Doch wer, wenn nicht wir, war am meisten betrübt über diesen traurigen Abschied von unserem Sydney-Traum. Trösten konnte uns nur die Tatsache, dass wir alles getan und probiert hatten, dass wir drei Tage auf der Nordsee erbittert gekämpft hatten, und dass niemand ernsthaft beim Schiffbruch zu Schaden kam.
Es glich einem Wunder, dass keiner von uns vieren in der tobenden Nordsee verloren ging. Zumal ich bereits laut Statistik ein Fall für die Fische in der Tiefe war... Über 70 % aller Fälle des Überbordgehens bei Sturm, Kälte und Nacht verlaufen tödlich!
Danken muss ich an dieser Stelle der Bekleidungsfirma VauDe, denn ohne die automatische Rettungsweste hätte mich die nasse, schwere Kleidung nach unten gezogen. Das Projekt Berlin-Sydney 2000 musste an dieser Stelle abgebrochen werden, die Beschädigungen an den Booten waren zu groß. Im Januar 2000 wurden die beiden Boote mit einem Trailer von Harlingen ins heimische Elisenhof zurückgebracht. Dort finden zur Zeit die Reparaturarbeiten statt.
Ob die Boote jemals noch einmal zu einer Weltumseglung starten werden ist noch völlig offen, doch werden sie eines Tages mit Sicherheit wieder frisch lackiert und repariert auf dem Wasser schwimmen...

KNRM
Bergung

Ein spannender, ausführlicher Bericht über die abenteuerliche Fahrt auf stürmischer Nordsee ist in dem Buch 13 Reise-Fragmente, das im Juni 2003 auf den Markt kam, zu lesen!
Infos zum Buch von Mark Bauch und Marco Bertram gibt es in der edition ReiseLeben!
Neben einem Bericht über das Segelprojekt Berlin-Sydney 2000 sind unter anderem Reiseberichte von der Transsibirischen Eisenbahn, über eine Busentführung in Brasilien, eine Wanderung in den Rocky Mountains und Indien enthalten.
Selbstverständlich ist das Buch unter anderem auch erhältlich bei:
www.amazon.de!

Auf dieser Website gibt es weiterhin:
Textprobe Segelkapitel aus dem Buch



Kurzfilm über einen Rettungseinsatz der Rettungsgesellschaft KNRM:


Die letzten Forenbeiträge des Reise-Forums:


Informationen zu Marco Bertram

Zur Person: Marco Bertram
• Freiberuflicher Autor und Foto-Journalist
• Zahlreiche Reisen nach Russland, Brasilien, Kanada, Ägypten und quer durch Europa.
• Verfasser einer Vielzahl an Berichten, Reisereportagen und Kurzgeschichten.
• Autor der beiden Bücher "In 7 Wochen von Rio nach Manaus" und "13 Reise-Fragmente".
• Segelprojekt Berlin-Sydney 2000
• Im April 2005 wurde eine Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze realisiert. Vorabpräsentation beim Europäischen Parlament in Brüssel.
• Diavorträge zur Transsib & zur deutsch-deutschen Grenze
• größere Vorträge bisher: im Hyatt Hotel Köln für Gebeco, im Maritim Hotel Travemünde für die Raiffeisenbank, in Lübeck, in Hartha, im Tränenpalast Berlin
• Iron Curtain Trail: Unterwegs auf dem Balkan
Infos zu Marco Bertram


13 Reise-Fragmente

Schwerer Sturm mit dem Segelboot auf der Nordsee vor Holland, mit der Transsib quer durch Asien, Leben in einem Zen-Kloster in New Orleans, ohne Gepäck von Kairo nach Theben West, eine Busentführung im Nordosten Brasiliens, eine mit Krankheit verbundene Reise in Indien und eine Festnahme an der slowakischen Grenze.
Dies sind die spannenden Höhepunkte im Reisebuch "13 Reise-Fragmente" von Marco Bertram und Mark Bauch, das im Juni 2003 auf den Markt kam.
Auf 208 Seiten wird der Leser von den beiden Autoren einmal um die Erdkugel geschickt. Von den kanadischen Rocky Mountains über die Bantry Bay bis hin ins fern östliche Beijing ...
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First Cash


Ein holländischer Zeitungsartikel


Marco am Steuer


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• Im Fotoarchiv von www.ddr-fotos.de werden online hunderte s/w-Aufnahmen aus der DDR gezeigt. Das Archiv umfasst insgesamt rund 50.000 Fotos und erstreckt sich im Zeitraum von 1949 bis 1973.
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