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Mit dem Greyhound von New York bis Vancouver und Seattle.
Im Sommer 1993 war ich mit Jan Mill, er war später einer meiner drei
Mitsegler beim Projekt Berlin-Sydney 2000, in Nordamerika unterwegs. Bei
Temperaturen um die 40 Grad Celsius kamen wir mit einer United Airlines
Maschine auf dem John F. Kennedy Airport in New York City an.
Jan und ich
planten, mit verschiedenen Greyhound-Bussen von New York aus über Montreal,
Toronto und Winnipeg bis zu den Rocky Mountains und zur an der Westküste
befindlichen Stadt Vancouver zu fahren.
Vom Airport aus wurden wir für 30
Dollar mit einem Taxi zum YMCA in der 63. Straße in Manhattan gebracht.
Diese befand sich in unmittelbarer Nähe zum Central Park, und in der 11.
Etage der Jugendherberge bezogen wir ein kleines, preiswertes Zimmer, das
jedoch recht düster und nicht sehr anheimelnd war. Der Blick aus dem Fenster
fiel auf die Rückseiten der angrenzenden Wohnblocks, eiserne Feuertreppen
und auf den Dächern befindliche Wasserbehälter, aus denen im Sommer warmes
Wasser bezogen werden konnte. Noch am ersten Abend marschierten wir zur
Südspitze Manhattans, um der Wall
Street und dem World Trade Center einen
Besuch abzustatten.
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Zu Fuß kam eine beachtliche Strecke zusammen, und wir
waren Hin und Zurück gut vier Stunden unterwegs. Wie in Trance schlenderten
wir auf dem Broadway entlang, vorbei am Times Square, und alles erschien wie
in einem Traum.
Auch am kommenden Tag wurden wir mit hochsommerlichen Wetter
beglückt. Die Ostküste der Vereinigten Staaten kochte. Nicht wenige kamen
während der Hitzeperiode ums Leben. Das Quecksilber stieg bis knapp unter
die 45 Grad-Marke. Die kommenden Tage fuhren wir mit der Metro zu den
einzelnen Stadtteilen. Nichts wurde ausgelassen. Queens, Harlem, Brooklyn
und die berühmt berüchtigte Bronx im Norden Stadt. Es war interessant, von
welch verschiedenen Seiten sich die Stadt zeigen konnte. Ein wenig gruselig
wirkten allein ein paar Straßenzüge in Brooklyn in der Gegend rings um die
Brooklyn Bridge, in der einst der Sergio Leones Film "Es war einmal in
Amerika" gedreht wurde. Als ich dort zur Fotokamera griff, um die quer
zur Straße verlaufende Brücke zu fotografieren, kamen ein paar Asiaten auf
uns zu und empfohlen uns, lieber keine Aufnahmen von dieser Gegend zu
machen. Es sei hier überaus gefährlich, und es treiben sich einige Gruppen
herum. Nun gut, wenn ich genauer drüber nachdenke, fallen mir sogleich zwei
weitere Erlebnisse ein. Zum einen sahen wir, wie Jugendliche in der Bronx
einen Polizisten in die Flucht trieben, und zum anderen kamen uns schwarze
Jugendliche in Harlem bedenklich nahe und klatschten bereits provozierend in
die Hände. Aber wie gesagt, wirklich kritisch wurde es tagsüber in keinem
der Stadtteile. Die Bronx zeigte sich sogar überaus lebenslustig, fröhlich
und entspannt. Vielleicht lag es ja auch am sonnigen Wetter. Männer wuschen
ihre Autos an geknackten Hydranten, Kinder tummelten sich bei den
Eisverkäufern, und Straßenmärkte säumten die Linie der Hochbahn.
Grandios
war am Abend die Aussicht vom WTC aus. Gigantisch lag die Lichterstadt zu
den Füßen, all die Probleme in der Heimat schienen wie weggeblasen. Selten
fühlte ich mich so fern von zu Hause wie in jenem Moment.
Mit einem älteren Greyhoundbusmodell mit schmierigen Kunstledersitzen fuhren
wir weiter nach Montreal, wo wir die Nacht auf einer Bank in einer
Parkanlage am Hudson River verbrachten. Die einzige Gefahr in jener Nacht
ging von einem Skunk aus, der auf einer Wiese sein Unwesen trieb. Die
französisch angehauchte Altstadt von Montreal war durchaus sehenswert und
stand zu einem Kontrast zur überaus modernen Innenstadt von Toronto, wo wir
unter anderem einem Baseball-Spiel der Blue Jays im Sky Dome beiwohnten.
Bemerkenswert waren in Montreal zudem
die Anlagen und das Stadion von den
Olympischen Spielen 1976, auf die die Stadt noch immer sehr stolz ist. Von
Toronto aus ging es später weiter vorbei an den Großen Seen und durch die
dichten Nadelwälder in Richtung Winnipeg.
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Eine längere abendliche Rast wurde
in Thunderbay eingelegt. Die Sonne verfärbte den Himmel kräftig orange, und
Telegrafenmasten verloren sich in der provinziellen, trostlosen und sich
hinziehenden Stadt. Weiter ging es durch die Wälder Ontarios. Einmal musste
der Bus auf offener Strecke halten, weil ein sich nicht aus der Ruhe
bringender Elch über den Asphalt trabte. Am kommenden Tag erreichten wir
Winnipeg im kanadischen Bundesstaat Manitoba. Dort kauften wir ein paar
weitere Stiefel für unsere geplante Wildniswanderung. Mit den aus
Deutschland mitgebrachten Exemplaren waren wir bisher doch nicht zufrieden,
und somit statteten wir uns mit kanadischen Modellen aus. Am Abend setzten
wir unsere Fahrt mit dem Bus auf dem Trans-Canada Highway fort, der von
Toronto bis Vancouver verläuft. Die Strecke des Greyhounds number one.
Hinter Winnipeg hörten die Wälder auf. Was folgte, waren die endlosen
Prärien und die riesigen Weizenfelder von Saskatchewan. Auf unserer
Kanadatour von Ost nach West durchquerten wir die verschiedensten
Vegetationszonen. Zuerst die großen Wälder und Seen in Ontario, dann die
Felder und Prärien in Manitoba und Saskatchewan, und zum Abschluss die
Bergmassive der Rocky Mountains in Alberta und British Columbia. Über Regina
ging es nach Calgary. Jedem wird diese Stadt ein Begriff sein, fanden doch
dort die Olympischen Winterspiele im Jahre 1988 statt. Außerdem ist Calgary
Austragungsort der jährlichen Stampede, größtes Westernspektakel der Welt.
Höhepunkt dieser Veranstaltung ist stets das Sechzehner Wagenrennen am
letzten Tag der Stampede, ein packendes Rennen mit großer historischer
Tradition. Leider verpassten wir diese Veranstaltung denkbar knapp.
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In Banff im gleichnamigen Nationalpark der Rocky Mountains starteten Jan und
ich eine Wanderung quer durch die Berge nach Lake Louise. Über diese Tour
ist in einem Extra-Kapitel auf dieser Website zu lesen!
Zehn Tage später setzten wir unsere Fahrt mit einem Greyhoundbus in Richtung
Westen fort. Vancouver und Seattle standen auf dem Programm, bevor es mit
dem Bus in einem Stück zurück nach Toronto und New York. Insgesamt waren wir
über 10000 Kilometer mit dem Bus unterwegs, und wir waren überrascht, wie
gut man in den Bussen schlafen konnte. Beinfreiheit war vorhanden, und die
Klimaanlagen sorgten wir frische Luft. Kilometer für Kilometer arbeitete
sich der silberfarbene Bus mit dem Windhund an den Seiten auf dem Highway
Number One voran. Die Sonne ging hinter uns unter und vor uns wieder auf.
Drei Tage benötigten wir von Seattle über Vancouver zurück nach Toronto. Von
dort aus ging es noch einmal eine Nacht über Buffalo nach New York City, wo
wir abschließend zwei weitere Tage verbrachten.
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Da unser Reisebudget knapp
wurde, nächtigten wir zwischen den Obdachlosen im Central Park unter freiem
Himmel. Die Rucksäcke schlossen wir zuvor am Busbahnhof ein. Rings um uns
herum lagen fremde Gestalten unter Zeitungen und verfilzten Wolldecken.
Gegen 8 Uhr in der Frühe wurden sämtliche Parkschläfer vom Wachdienst
geweckt: "Get up, wake up, it´s time!"
Jan und ich hatten erstaunlich gut geschlafen. Im Vergleich zu all den
Nächten in den Greyhoundbussen
war diese Nacht sogar richtig erholsam, da
man in der Waagerechten lag und die Beine ausstrecken konnte.
Bis auf die ersten Nächte im YMCA in New York City hatten wir stets in den
Bussen, im mitgebrachten Zelt oder unter freiem Himmel geschlafen. Hinzu kam
eine Nacht auf dem Busbahnhof von Seattle, die die mieseste von allen war.
Nach Urin stinkender Asphalt und unangenehme Gestalten, die um uns herum
zwischen den Bänken lungerten. Im Gegensatz dazu die beeindruckenden Nächte
in den Tälern des Banff-Nationalparks im kanadischen Bundesstaat Alberta.
Die Abende am Lagerfeuer fernab der nächsten Ortschaften.
Die Reise quer durch Nordamerika wartete mit vielen verschiedenen Dingen
auf. Vom World Trade Center Manhattans bis hin zum Mt. Rainer bei Seattle,
der 4000 Meter hoch und das Wahrzeichen des Bundesstaats Washington ist. Zu
empfehlen ist diese Route auf jeden Fall. Damals im Jahr 1993 kostete ein
7-Tage-Ticket für Greyhoundbusse 220 DM. Somit fuhren wir für 440 DM über
10000 Kilometer durch Nordamerika. Das Ticket galt für die kanadischen
Routen und für die Abschnitte von New York City und Seattle zum jeweiligen kanadischen
Grenzübergang.
Die letzten Forenbeiträge des Reise-Forums:
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Zur Person: Marco Bertram
Freiberuflicher Autor und Foto-Journalist
Zahlreiche Reisen nach Russland, Brasilien, Kanada, Ägypten und quer durch Europa.
Verfasser einer Vielzahl an Berichten, Reisereportagen und Kurzgeschichten.
Autor der beiden Bücher "In 7 Wochen von Rio nach Manaus" und "13 Reise-Fragmente".
Segelprojekt Berlin-Sydney 2000
Im April 2005 wurde eine Wanderausstellung zur deutsch-deutschen Grenze realisiert. Vorabpräsentation beim Europäischen
Parlament in Brüssel.
Diavorträge zur Transsib & zur deutsch-deutschen Grenze
größere Vorträge bisher: im Hyatt Hotel Köln für Gebeco, im Maritim Hotel Travemünde für die
Raiffeisenbank, in Lübeck, in Hartha, im Tränenpalast Berlin
Iron Curtain Trail: Unterwegs auf dem Balkan
Infos zu Marco Bertram

Schiffbruch bei heftigem Sturm auf der Nordsee im November 1999 - auf der Fahrt nach Sydney
gerieten zwei Segelboote vor Holland in schwere Seenot,
eine Busentführung im Norden Brasiliens, eine Festnahme an der slowakischen Grenze,
ohne Gepäck von Kairo nach Theben West.
mit der Transsib quer durch Asien, Leben in einem Zen-Kloster in New Orleans und eine mit Krankheit
verbundene Reise in Indien.
Dies sind die spannenden Höhepunkte im Reisebuch "13 Reise-Fragmente" von Marco Bertram
und Mark Bauch.
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